Eingewöhnung

Bindungstheorie

Von Geburt an ist eine beständige Bezugsperson für Kinder unerlässlich, denn nur durch verlässlichen, fürsorglichen, respektvollen und liebevollen Umgang hat das Kind die Möglichkeit Urvertrauen zu entwickeln.

Fühlt sich ein Kind sicher und geborgen, kann es sein Umfeld erkunden und aus seinem inneren Antrieb heraus, lernen und entwickeln.

Im ersten Lebensjahr beginnt das Kind sich an wenige Personen zu binden. Bereits ein 7 Monate altes Kind beginnt, bevorzugt den Kontakt zu seinen Bezugspersonen zu suchen und Blick- und Körperkontakt zu ihnen herzustellen. Das Kind entwickelt ein Bindungsmuster, welches sich besonders bei Trennungen von Bezugspersonen zeigt.

Die Eltern-Kind-Bindung, die sich in den ersten Lebensjahren entwickelt, ist von entscheidender Bedeutung und bildet auch die Basis für weitere enge Beziehungen zu anderen Erwachsenen und gleichaltrigen Kindern.

Die emotionale Verbindung zwischen den ersten Bezugspersonen, meist Mutter und Vater, ist einzigartig und kann nicht durch andere Bezugspersonen ausgetauscht werden.

Auch im Kinderhaus braucht das Kind eine beständige Bezugsperson. Deshalb ist gerade zu Beginn des Kinderhausbesuches eine fachlich kompetente und fürsorgliche Begleitung des Ablöseprozesses wichtig, um eine Beziehung zum Kind aufzubauen.

Die aktuelle Bindungsforschung geht davon aus, dass auch pädagogische Fachkräfte weitere wichtige Bezugspersonen für das Kind werden, denn durch eine regelmäßige und zuverlässige Betreuung, durch vertraute Erzieher, wird eine emotionale Basis für das Kind geschaffen, die dem Kind in schwierigen Situationen die nötige Sicherheit bietet.

Gestaltung der Eingewöhnungszeit

Die Eingewöhnungszeit ist der wichtigste Baustein für den Aufbau einer sicheren Bindung zwischen Kind und Erzieher_in. Sie bildet aber ebenso die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Eine liebevolle und feinfühlige Eingewöhnungsphase ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Übergang vom Elternhaus ins Kinderhaus.

Herausforderungen bei der Eingewöhnung

Die Eingewöhnung des Kindes ins Kinderhaus ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Auf das Kind warten viele neue Eindrücke und Anforderungen, die es zu bewältigen gibt. Um diese Aufgabe zu meistern, brauchen Eltern und Kind in den ersten Tagen und Wochen eine einfühlsame und fachlich kompetente Begleitung durch eine_n Erzieher_in.

Eine gute Eingewöhnung ist unerlässlich für einen positiven Verlauf der Kinderhauszeit. Die Eltern und das Kind müssen sich wohlfühlen, nur so ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieher_innen möglich und nur so kann sich das Kind nach seinem „inneren Bauplan“ entwickeln.

Diese Anforderungen hat das Kind zu meistern:

-       Es muss Vertrauen zu einer neuen Bezugsperson fassen.

-       Es muss seine Verlustängste bewältigen.

-       Es muss sich in Stresssituationen Rückhalt bei neuen Bezugspersonen suchen.

-       Es muss sich auf neue Kinder einlassen und neue Kontakte knüpfen.

-       Es muss sich an eine neue Umgebung gewöhnen, die eine Vielzahl neuer Reize und Anforderungen stellen.

-       Es muss sich, durch den Wechsel zwischen Zuhause und Kinderhaus, verschiedenen Bezugspersonen anpassen.

Aber auch für die Eltern ist die Eingewöhnung eine Herausforderung:

-       Sie müssen sich, meist zum ersten Mal, für längere Zeit von ihrem Kind trennen und sind daher emotional sehr angespannt.

-       Sie müssen sich auf die neuen Bezugspersonen für ihr Kind einlassen.

-       Die ersten Tage der Eingewöhnung entscheiden darüber, ob die Eltern zweifeln, sich wohlfühlen oder über die neuen Möglichkeiten für ihr Kind freuen.

-       Sie müssen den Ablöseprozess ihres Kindes zulassen und begleiten.

Auch die pädagogische Fachkraft muss sich auf jede Eingewöhnung neu einstellen und dabei:

-       einen positiven und partnerschaftlichen Kontakt zu den Eltern aufbauen,

-       die Eingewöhnung durch Gespräche über die emotionalen Befindlichkeiten der Eltern und des Kindes begleiten,

-       die emotionalen Bedürfnisse des Kindes wahrnehmen und aufgreifen, um so die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung zu schaffen,

-       dem Kind die nötige Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte

Für die Fachkräfte des Kinderhauses, ist eine erfolgreiche Eingewöhnungsphase sehr wichtig.

Aus diesem Grund investieren wir viel Zeit und Energie in den Beziehungsaufbau der ersten Wochen.

Eine erfolgreiche Eingewöhnung gibt sowohl dem Kind, als auch den Eltern die Sicherheit, sich gut auf die Zusammenarbeit mit den Fachkräften einlassen zu können.

Am ersten Tag steht die behutsame Kontaktaufnahme zum Kind im Vordergrund.

Durch Beobachtungen zu Interessen des Kindes, die wir dabei machen, aber auch durch Gespräche mit den Eltern, können wir die Gestaltung der nächsten Tage gezielt für das Kind planen.

So kann die Beziehung zwischen dem Kind und seiner Erzieher_in gezielt gestärkt und gefestigt werden uns so haben die Fachkräfte die Möglichkeit, dem Kind das sichere Umfeld zu bieten, das es für eine erfolgreiche Ablösung benötigt.

Die Dauer der Eingewöhnungsphase variiert von Kind zu Kind. Während der Trennungsphase ist die Fachkraft die neue Bezugsperson für das Kind. Sie begleitet es durch den Tag, unterstütz es bei der Bewältigung der neuen Herausforderung, gibt, wenn nötig, Hilfestellung bei den Mahlzeiten und spendet Trost. Auch die pflegerischen Tätigkeiten, wie das Wickeln, werden mit viel Feingefühl von der Fachkraft übernommen.

Durch gezielte Beobachtung, Rücksichtnahme auf die individuellen Besonderheiten des Kindes und durch den Austausch mit den Eltern wird die Dauer der einzelnen Trennungsphasen geplant, um das Kind in den ersten Tagen nicht zu überfordern und den Übergang vom Elternhaus ins Kinderhaus so angenehm wie möglich zu gestalten.